Der Untergang von U-556


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Herrlich .... das Leben geht weiter ... ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben eines der wenigen U-Bootfahrer, die nach einem Bad im Nordatlantik in Gefangenschaft weiterleben durften ...

Der Untergang von U-556 unter dem Ritterkreuzträger Kptlt. Herbert Wohlfarth am 27. Juni 1941 im Nordatlantik südwestlich von Island, Position 60.24 N, 20.00 W, durch Wasserbomben der britischen Corvetten HMS Nasturtium, HMS Celandine und HMS Gladiolus. Fünf Gefallene und einundvierzig Überlebende. Aus der Sicht von Peter Wimmer, Matrose. Zusammengestellt von Dr. Egbert Kainzbauer.


A fescha Bursch! Mein Onkel Peter Wimmer im Alter von etwa zwanzig Jahren.
Aufgenommen in Salzburg im Jan./Feb. 1940

Bildquelle: Dr. Egbert Kainzbauer.



"Du große Scheiße!" aber jetzt geht es hinunter in den Graben mit uns! Das Boot schlingert. Krachend und zischend wird die Röhre aus Stahl auf und ab und hin und her geworfen. Die Armaturen fallen aus. Zeitweise ist es stockfinster im Boot. Das Auge kann sich nur schwer an die phosphoreszierenden Skalen gewöhnen. Wie Blitze zucken die Lichter auf, wenn der automatische Batterie-Selbstschalter für kurze Zeit die Lichter im Boot aufleuchten läßt um beim nächsten Kurzschluß wieder alles in eine Finsternis zu tauchen. Ein Inferno im Boot. Achteraus ein Wassereinbruch! Vom Junkersverdichter hat es die großen Flanschen weggerissen. Ein Vollstrahl schießt in das Boot! Direkt hinein in die E-Anlagen. Wie im Labor eines Hexenmeisters lösen grelle Lichtbögen aufsteigende, giftige Gase ab, die vom Verschmoren und Abbrennen der Kabel und Leitungen verursacht werden. Dazu das unaufhörliche Schlagen des Schaltautomaten. Das ist unheimlich! Verzweifelnd und trotzig zugleich hört sich dieses Knallen an. Es sind metallisch klingende, harte Schläge, die der starke Federdruck dem Eisenbügel aufzwingt. Ja es sieht förmlich so aus, als wehre er sich, wie ein waidwundes Herz eines Kampfstieres in der Arena, das auch trotz größten Widerstandes dem tödlichen Dolchstoß nicht entrinnen kann. Jetzt verläßt ihn die Kraft. Seine Schaltschläge bleiben aus. Nun ist es nur noch ein Zucken, daß dem Flattern des Herzens in den letzten Minuten vor dem Tode gleicht. Das Wasser im Boot steigt. Der Strom und damit die Maschinen fallen aus. Das Herz steht still. Für Bruchteile von Sekunden ist es ganz ruhig. Nur den eigenen Pulsschlag fühlt jeder in seinen Adern. Noch leben wir. Aber schon sind die Vorboten der entsetzlichen Detonationen wieder zu hören. Ein Klirren, so als säße einer in einer leeren Blechtrommel, etwa einem Benzinfaß, auf das aus großer Höhe Kieselsteinchen einzeln aufschlagen. Das Ortungsgerät des Feindes [ASDIC] hat uns erneut wieder genau ausgemacht. Bald kracht es wieder und alle im Boot werden wie von einer Riesenfaust durcheinander geworfen.

Serien von Wasserbomben haben den grauen Körper unseres stählernen Bootes durchgerüttelt, verbeult und aufgerissen. Der Lebenssaft, der Strom aus der Batterie ist versiegt. Wieder gleicht das U-Boot einem Kampfstier, der von den Pikadores geschwächt und mürbe gemacht wurde, ehe er sich noch einmal aufrichtet um den Todesstoß zu empfangen. So ergeht es auch uns. Genau wie der Stier vor Schwäche erst mit den Hinterbeinen einknickt und sich noch mehrmals mit letzter Kraft aufzurichten vermag, genau so wurde auch das Boot erst achterlastig, manöverierunfähig, das heißt ohne Antriebskraft. Der nicht zu behebende Wassereinbruch im hinteren Teil des Schiffes läßt die Zigarre nach achtern sinken.



 
 

Im Hafen von Lorient ahnt noch niemand etwas von den kommenden dramatischen Ereignissen ...
Mein Onkel Peter posiert am 30. Mai 1941 vor dem Turm der U-556. Am Strichmännchen hängt das Ritterkreuz, darunter steht die versenkte Tonnage. "Parsival" bezieht sich auf den Spitznamen von Kapitän Wohlfarth.

Bildquelle: Peter Wimmer



Alles was losgerüttelt wurde, Werkzeuge, Proviant, abgerissene Gegenstände, Schuhe, Kleidungsstücke und Männer, die nicht schnell genug in dieser Finsternis einen festen Halt finden konnten, sie und alles was lose war und das eingedrungene Wasser flossen und rutschten achteraus. Ein Vorgesetzter brüllte durch das Boot "Alle Mann voraus!" Über Hindernisse, durch Luken und Schotte, über Torpedos und über zu Fall gekommene Kameraden stürmten jene, die nervlich diesen Kletterpartien im Dunkel der Röhre noch gewachsen sind, bis vor zu den Torpedoluken in den Bugraum. Das Boot sank! Ein Stillstand für ganz kurze Zeit. Doch schon kam das Wasser wieder daher, alles Lose mit sich reißend. Dazwischen Wasserbomben. "Alle Mann achteraus!" Ohne Antrieb sank das Schiff unaufhaltsam tiefer. Die Tiefenmesser fielen aus. Nur ein kleiner Druckmesser in der Pilsch, der außer bei der routinemäßigen Überprüfung des Bootes eigentlich nie beachtet wurde, war noch heil. Unglaublich, er zeigte zweihundertachzig Meter Wassersäule an. Noch immer fiel das Boot! Es näherte sich der dreihundert Meter Grenze. Das mußte das Ende für uns alle sein. Jetzt brauchte auch keiner mehr ein Kommando zu geben. Die paar beherzten Männer, die noch nicht vor Schrecken wie gelähmt waren, oder durch einen Aufschlag bewußtlos in irgend einer Ecke eingeklemmt lagen, die liefen und turnten sich nun von selbst voraus und achteraus und hantelten sich von Schott zu Schott und wieder zurück, damit das Boot noch einmal für kurze Zeit eine einigermaßen waagrechte Lage einnahm. "Ja, jetzt - schnell! Jetzt könnte noch ein Wunder geschehen!" In einer Tiefe von dreihundert Metern unter der Wasseroberfläche schwebte das Wrack noch einmal waagrecht. Auf diesen Augenblick hatten wir und der Kapitän gehofft. Doch keiner hatte mehr daran geglaubt. Nun gab er schon den Befehl "Druckluft auf alle Zellen!" Eine unsichtbare Kraft floß zischend von den unversehrt gebliebenen Druckluftflaschen zu den mit Wasser gefüllten Tauchzellen an der Außenseite des Druckkörpers. Hoffentlich waren sie dicht geblieben! Bestimmt, denn an der Unterseite sind sie offen. Sie sind geflutet und mußten daher auch keinen Wasserdruck und keinem Druck der Detonationswellen von den Wasserbomben standhalten. Unheimlich die Spannung! Wird der Luftvorrat reichen? Werden die Tauchzellen, die sich nun mit Luft füllen und mit jedem Meter den das Boot steigt, mehr Wasser nach unten wegdrängen, werden diese Ausbauchungen aus dünnem Blech die Fahrt zur Meeresoberfläche, durch den Hagel von Wasserbomben hindurch, überstehen? Von der Luft getragen, nicht mehr von Menschen kontrolliert, schwebte das kampfunfähige U-Boot aus der Tiefe nach oben. Aus der Finsternis zum Licht. Das Wunder war geschehen. Wie wenn man ein Stück Holz unter Wasser ausläßt, das durch den eigenen Auftrieb nach oben schwimmt und aus dem Wasser schießt, genau so schlug auch das Boot auf der langen Dünung der Wasseroberfläche auf. Es schwamm! Es schlingerte! Es war ganz ruhig! Für einige Rettung, für andere Todesstoß zugleich. Sie hatten nicht die Kraft, in Feindeshand weiter zu leben. Sie blieben im Boot. Treu dem Gelöbnis, das sie gaben - sanken sie mit dem Boot hinab in die ewige Finsternis. Für andere war es eine Verpflichtung weiter zu leben. Für Frau und Kinder, für die Braut oder einfach nur für die Mutter. Obwohl noch keiner wußte, mit Ausnahme derer, die sich dem Tode geweiht hatten, was die Zukunft bringen sollte, waren sie alle auf ihre Art froh erlöst oder gerettet zu sein. Erlöst von den Qualen der vorangegangenen Stunden, während denen das Boot gegen eine Übermacht standhielt. Wiederum einem Kampfstier gleich - gemartert, zerschunden und kampfunfähig gemacht - richtete es sich noch einmal auf, steigt hinauf zum Licht um regungslos den Gnadenschuß zu erhalten.

Ein hoher Überdruck herrschte im Boot, als der Kapitän das Turmluk aufdrückte. Einem schweren Seufzer gleich entströmte die verbrauchte Geräteluft dem Bootsinneren und kühle, frische Meeresluft strömte zurück. Zeitweise, wenn das Turmluk frei war, fiel ein Lichtstrahl hinein in den Turm. Geisterhaft und unwirklich wurde dadurch das Chaos in der Zentrale stellenweise beleuchtet. Der Kapitän sah als erster den blauen Himmel, die Sonne, das Licht. Die Augen versagten ihm beinahe den Dienst, so sehr wurden sie überfordert nach so langer Dunkelheit. Er sah aber auch die Übermacht, die kreisförmig postiert auf uns wartete und für einen heißen Empfang materialmäßig und moralisch gut vorbereitet war. Sie begrüßten uns mit einem Geschoßhagel aus allen Bord- und Handfeuerwaffen. Ein Salut nach Protokoll, wie er nur bei allerhöchsten Staatsbesuchen eingeübt und vorgespielt wird. Diese Gastgeber schossen allerdings scharf. Sie schossen mit einer unvorstellbaren Begeisterung und einem nicht verständlichem Fleiß, als wollte jeder von ihnen noch ein persönlich erlegtes Skalp an seinen Gürtel hängen. Wenn nur die Tauchzellen, die Luftpolster auf denen das halbvoll gelaufene Boot nur mühsam über Wasser gehalten wurde, dicht blieben! Ein paar Einschüsse hätten genügt und für die Männer, die noch nicht im Turm oder wenigstens in der Zentrale waren, hätte es keine Hoffnung mehr auf Rettung gegeben.

Diese Lage machte es dem "Alten" leicht, den letzten Befehl zu geben. Einen Befehl, der jede Verbindung mit der Vergangenheit abbrach, der nur das nackte Leben eines Seemannes retten sollte: "Alle Mann über Bord - rette sich wer kann!"

Mit ihm konnte ein ganzer Haufen, eben die Leute, die sich schon nicht mehr so weit vom Turm und Zentrale entfernt haben, aussteigen. Einige, darunter auch ich, waren bis zum Schluß durch das Boot geturnt. Wir waren somit auch zeitmäßig viel später zum Aussteigen dran. Schwimmweste und Tauchretter war auf meiner Gefechtsstation, dem Vorhaltsrechner in der Zentrale, auch keine, keiner mehr. Die waren wohl während des Höllentanzes "verschütt" gegangen. "Aber was - jetzt nichts wie raus!" Ob mit oder ohne Schwimmweste. Jetzt fiel auch noch das Turmluk zu. Wieder war es absolut finster in der Röhre! Verdammte Scheiße! Schnell turnte ich zum Luk hinauf. Den Weg kannte ich im Schlaf. Das war mein Bereich. Viele Male war ich diese zwei Eisenleitern hinaufgeklettert und bei Alarm herunter gerutscht. Hinter mir kamen noch zwei nach. Der Steuermann war auch dabei. Ich stemmte mich gegen das runde, eiserne Schott. Fast kam ich mir wie der Käp’tn vor, denn das war seine Arbeit. Aber nur ein schmaler Spalt ließ sich aufmachen. Da mußte ein schwerer Gegenstand darauf liegen. Doch durch meine Kraft allein wurde das Luk nicht soweit frei, daß wir uns hindurch zwängen könnten. Vereint und mit aller Kraft gelang es, das sperrende Hindernis wegzuquetschen. Es war ein Maschinenmaat, den beim Aussteigen ein Salutschuß, der Geller einer Bordkanone, der vom Sehrohrbock abprallte, in der Gürtelhöhe durchschlug. Gut, daß er schon tot war. Wir hätten ihn wegdrücken müssen, auch wenn er vor Schmerzen noch so laut geschrien hätte.

Nun aber hinein in das rettende Wasser! Frei sein! Ein Glücksgefühl, eine unbeschreibliche innere Freude und das, obwohl das Mißgeschick vollständig war.

Sonnenschein, eine lange Dünung und ein blauer, wolkenloser Himmel machten das Maß an Wonne voll. Ein seltenes Glück für Schiffbrüchige und eine nicht häufig anzutreffende Harmonie im Nordatlantik. Doch hoppla - was war das? Jetzt wurde ich erst die nähere Umgebung gewahr. Überall spritzten Wasserfontänen auf. So als würden kiloschwere Regentropfen aufschlagen. Dazwischen stiegen gelbe Rauchschwaden auf. Oh gute Nacht! Das waren ja alte Bekannte. Das waren die Aufschläge der Salutschüsse, die unsere Bezwinger und zukünftigen Gastgeber in ihrem Freudentaumel aus allen Rohren auf uns abfeuerten. Eine groteske Lage in der wir uns jetzt befanden. Schon wieder mußten wir paar Männer, die weit ab vom großen Haufen, einsam und allein im Atlantik schwammen, U-Boot spielen. Jedesmal, wenn uns die Dünung hochtrug, gab der Kopf ein leicht zu treffendes Ziel ab. Klar, jeder Jäger freut sich über einen gut angebrachten Schuß mehr, als wenn er sein Wild nur angeschweißt hat. Darum, wie gelernt, schnell einen kurzen Rundblick nehmen, Luft holen und mit dem Poller wegtauchen. Wenn es auch nicht jedesmal so gut gelang, das Gefühl mit dem Kopf unter dem Wasser zu sein, beruhigte. Eine Art von "Vogel-Strauß-Politik", denn ein Schuß aus einer Bordkanone in den Arsch hätte genau so seine Wirkung getan. Diese seltene Art von einer Treibjagd war für uns jedoch auch sehr beruhigend. Das hört sich im ersten Moment recht komisch an. Klar, wir wußten dadurch genau, daß sie uns noch im Auge behalten und uns am Ende doch noch aus dem Wasser ziehen würden. Wie oft ich auf diese Art auf einer Düne hochgetragen wurde und wieder weggetaucht bin, ich weiß es nicht. Tatsache ist, daß ich bei den Rundblicken nach allen Himmelsrichtungen ein ganz eindrucksvolles Gesamtbild bekam. Da war ein Leben auf diesem kleinen Stückerl des Nordatlantik! Das Gros der Besatzung und mit ihnen der "Alte" war weit weg von uns. Rundherum feindliche Schiffe, die einer Jagdgesellschaft gleich, auf die Verteilung der Trophäen und auf die Atzung zu warten schienen. Von unserem U-Boot schaute nur noch der Bug steil aufragend aus dem Wasser heraus. Hinter uns schwammen keine Kameraden mehr. Aber es waren doch noch welche an Bord! Den LI habe ich genau gesehen, als ein Lichtstrahl in die Zentrale fiel. Ja, auch er war einer von denen, die mit dem gegebenen Gelöbnis nicht brechen konnten.

"Da, die Kanadier haben ein bemanntes Schlauchboot zu Wasser gelassen. Die wollen das U-Boot entern! Nein, sie gehen wieder an Bord ihrer Korvette zurück. Was soll das Manöver?" Sie ließen das Schlauchboot zurück! Klar, die hatten sich das Entern des sinkenden Schiffes noch einmal gründlich überlegt. Immer steiler ragte der Bug des U-Bootes auf. In eventuell erreichbarer Entfernung trieb das Schlauchboot der Korvette. Was für ein Glück! Knapp vor dem rettenden Ziel fuhr noch einmal eine Korvette zwischen uns Schwimmenden und dem Schlauchboot durch. Die Bugwelle warf uns wie Bojen auf und ab. Ein unruhiges Ziel für einen Blattschuß. An der Reling standen die Seeleute und ich beobachtete es aus nächster Nähe, wie ein Bootsmann, ein älterer Seemann, einem jungen "Lord" das Gewehr mit den Worten "Stop that nonsens" aus der Hand riß. Die Jagdlust der Männer war einerseits verständlich, sie wurden ja auch schonungslos gejagt und gehetzt in diesem grauenvollen Krieg. Der Schmatting [ältester Unteroffizier] allerdings, der ältere Seemann, er war noch einer von der alten Generation, die vor der sinnlosen Abknallerei ein Halt machte. Vielleicht war er selbst schon in der gleichen Lage gewesen? Nur so kann ich es verstehen, daß er sich gegen die triumphierende Besatzung durchsetzen konnte und uns rettete. Seiner Seele aber auch ein gutes Werk beistellte, wenn für ihn die gleiche Stunde schlagen sollte.

Wir erreichten das Schlauchboot. Jetzt wurde auch das Feuer eingestellt. Von dem U-Boot ragte nur noch die senkrecht zum Firmament zeigende Bugspitze heraus. Komisch! Noch immer zeigte es die Zähne. Es sah immer noch gefährlich aus. Aber es waren nur die Ansätze der Netzsäge, die sich in der Silhouette scharf und zackig abzeichneten. "Wie viele Kameraden werden noch im Boot sein? Vielleicht atmen sie noch in einer Luftblase, die sich im senkrecht aufgestellten Bugraum gebildet haben muß?" Die Reste der Luftblasen in den Tauchzellen, besonders der Tauchzelle fünf, hielten noch immer ein Stückchen des Bootes über Wasser.

Keine Zeit zu Grübeleien oder für sentimentalen Gedanken. So schnell wir konnten, ruderten wir das Schlauchboot zu dem großen Haufen, zu unseren Kameraden. Die erschöpften und verwundeten Männer zogen wir in das Boot herein. Die anderen konnten sich an dem Kentertau, das außenbords rund ums Schlauchboot angebracht war, festhalten. Das Schlauchboot war nicht nur unsere Rettungsinsel, es stand auch im Inventar unserer zukünftigen Gastgeber, die bis vor wenigen Stunden noch unsere sogenannten, erbitterten Feinde waren. Ob das auch mit ein Grund war, weshalb sie uns alle, die überlebten, aufnahmen?




Wenn ich die Angaben richtig erfasst habe,
dürfte im roten Kreis die Untergangsstelle
liegen!

Bildquelle: Dr. Egbert Kainzbauer.


Mit einem Hakenschlag um das Handgelenk wurden wir der Reihe nach von kräftigen Männern an Bord gehievt. Ihr Gesicht zeigte nicht mehr den unergründlichen Haß oder das triumphierende Lächeln, das ihnen eigen war, als sie am Höhepunkt ihres Sieges standen und wahllos den einen oder den anderen auf's Korn nahmen und sein Lebenslicht ausblasen hätten können. Jetzt machten schon einige von ihnen einen besorgten, fast fürsorglichen Eindruck beim Anblick von solchen entkräfteten Kreaturen, wie wir es waren. Zitternd vor Kälte und Schockeinwirkung standen alle von uns zähneklappernd und auf wackeligen Beinen, an Deck der Korvette. Ein Gedanke jagte mir durch den Kopf! "Wo ist unser U-Boot? Wo sind die Kameraden, die noch hinter uns einher schwimmen sollten, die noch fehlten?" Gerade noch im rechten Augenblick konnte ich mich an den nackten Leibern vorbei zur Reling drängen. Wir mußten uns nämlich alle ganz entkleiden, bevor wir vorerst in eine leerstehend Pickslast [eine Art Abstellkammer] gesperrt wurden. Nicht ohne Grund, denn erstens wollten die Sieger alle Taschen nach eventuellen Aufzeichnungen durchsuchen und zweitens wird einem, wenn man nackt und fest aneinander gedrängt in einem Raum beisammen ist, viel schneller warm, als wenn man die nassen Klamotten erst am Leibe trocken lassen muß. Wirklich in letzter Minute hatte ich freie Sicht zu unserem im Sinken liegenden U-Boot. Ohne Lärm oder Aufsehens, nur begleitet von einer kleinen Wasserfontäne, die auf entweichende Luft schließen ließ, versank der Bug, wie einer der wegtauchenden Wale, die wir so oft beobachten konnten. Genau so ruhig, fast friedlich versank das Boot. Es ging zurück in seinen Lebensraum für den es gebaut wurde, nur um unendlich tiefer zu tauchen und um nie mehr wieder zu kehren. Mit ihm gingen auch jene Kameraden, die sich ein Leben in Gefangenschaft nicht ausdenken konnten. Sie waren in einem Geist erzogen worden, der keine Kompromisse kannte. Ehre ihrem Gedenken.

An Bord wurden wir gut behandelt. Nach einigen Stunden bekamen wir unsere Klamotten wieder trocken zurück. Ein "Moses" [Schiffsjunge, jüngster an Bord] brachte sogar für jeden eine Player‘s Navy Cut zum Rauchen. Fast ein Grund bald wieder übermütig zu werden. Nach drei Tagen Seefahrt gingen wir in Raykjavik auf Island an Land, [von wo mich mein weiterer Weg über verschiedene Gefangenenlager schließlich als POW bis nach Canada brachte. Aber das ist eine andere Geschichte ... ]





The sinking of U-556



Wonderful ... life goes on ... a small section from the life of one of the few "U-Bootfahrer" who after a bath in the North Atlantic were allowed to continue life in captivity as POW.

Sunk June 27, 1941 in the North Atlantic southwest of Iceland, in position 60.24 N, 20.00 W, by depth charges from the British corvettes HMS Nasturtium, HMS Celandine and HMS Gladiolus. 5 dead and 41 survivors. As seen and written down by eye-witness Peter Wimmer, Matrose, born in 1919. Translated from German to English by Barbara & Dr. Egbert Kainzbauer.


What a handsome guy! My uncle Peter Wimmer at the age of about twenty.
The picture was taken in Salzburg, Austria at January/February 1940

Picture source:  Dr. Egbert Kainzbauer.


 "Du große Scheiße!" but now we’re hitting the ditch! The boot wobbles. Crackling and hissing the steel pipe is tossed up and down, to and fro. The gauges fail. From time to time it is pitch-black in the boat. Our eyes are barely able to adjust to the phosphorus glow of the dials. The lights flash on and off like lightning when the automatic battery switch turns on the lights only to be shorted out leaving everything once again in complete darkness. An inferno. Water breaking-in aft. The flange of the Junkers air compressor is ripped off. A jet of water shoots into the boat. Directly into the electric system. Like in the laboratory of a witch doctor bright electric arcs are followed by poisonous gases caused by the smoldering of cables and electric lines. In addition the constant hammering of the automatic fuse. This is eerie. This snapping noise sounds despairing and defiant at the same time.. Those are singing, hard blows, which the strong spring forces on the iron bow. It beats like the wounded heart of a bull in the arena which cannot by any means escape the final deathblow. Now the force is relenting. The hammering of the switch quits. Now it is only a twitching, like convulsive moves, like palpitations of the heart in the last minutes before death. The water rises in the boat. The electricity and with it the electric motors quit. The heart stops. For seconds it is absolutely silent. We feel only the pulse-beat in our blood vessels. But we still live. Already we hear the harbingers of the frightening detonations of the depth charges. It is a kind of „ping“, like pebbles falling from great height onto the top of an empty gasoline barrel in which you are sitting. The sonar system has located us again. Pretty soon there will be explosions which will shake us up like a giant fist.

Series of depth charges had shaken the steel body of our boat and dented and ripped it. The vitality, the electric current from the batteries ran dry. Again the U-Boot resembled a bull which was tired out and weakened by the picadors, before he got up a last time to receive the deathblow. The same thing happened to us. Like the bull gives in with its hind legs, righting up a couple of times again and again, similarly our boat got heavy in the aft, unable to maneuver, in other words without propelling force. The water break-in, which we could not control, caused the cigar shaped hull to sink aft.


In the harbour of Lorient nobody so far has an idea of the foreboding ...
My uncle Peter is posing on May 30 1941 in front of the conning tower. The stick figure wears the knight cross around the neck, a claim of 49,900 tons sunk is painted on below. "Parsival" was the nickname of captain Wohlfarth.

Picture source:  Peter Wimmer



Everything, which was shaken loose, like tools, provisions, broken and dislodged objects, shoes, clothing, and men, who could not find a hold in the darkness, they and all that was loose and the water which had penetrated the boat slid and flowed aft. An officer shouted through the boat  "All hands forward!" Over obstacles, through bulkheads, over torpedoes and comrades who had stumbled, those whose nerves were still stable enough to master this frantic climbing through the darkness, dashed forward to the bow to the torpedo tubes. The boat was sinking! For a short time it remained in place. But again the water came, sweeping away everything which was loose. And in between depth charges. "All hands aft". Without propulsion the ship sank inevitably deeper. The depth meters were no longer functioning. Only a small meter, which was normally ignored, except when the boat was formally checked, still worked and unbelievably, it showed a depth of 280 meters. The boat was still sinking. It got close to the three hundred meter mark. This must be the end for all of us. There was no need for any commands anymore. A few brave hearted men, who were not yet paralyzed by fear or more or less unconscious, dashed forward or backwards from bulkhead to bulkhead on their own, in hopes of putting the boat in a fully level position. "Now, quick - fast! Maybe a miracle will happen!" In the depth of three hundred meters below the surface of the water the boat leveled in suspense. The Captain and the crew had waited for just that moment. Although nobody believed it anymore. Immediately he gave the order: "Compressed air in all cells!" An invisible force moved hissing from the undamaged pressure bottles in the water-filled diving cells outside the pressure hull. Hopefully the cells were still intact. Most certainly, because they are open on the bottom. They were filled with water and did not have to withstand the detonation waves of the depth charges. The tension was frightening. Would the air supply suffice? Would the diving cells, which were now filled with air, air that was expanding and displacing more and more water while the boat was rising, would these thin sheet metal containers withstand the dive up to the surface through that hailstorm of depth charges? Carried by air, no longer controlled by human beings, the boat, unfit for battle, ascended to the surface. Out of the darkness into the light. The miracle had happened. Like a piece of wood, which one lets loose under water and therefore through buoyancy springs out of the water, similarly our boat burst through the long swell of the ocean. She swam! She wobbled! It was completely quiet. For most of the men it was rescue, for some it was the deathblow. They did not have the strength to live in the hands of their enemies. They stayed in the boat. Devoted to the oath they had given, they sank with the boat into eternal darkness. Others had the obligation to live on. For their wives and their children, for the bride or just for their mother. Although nobody knew, with the exception of those who doomed themselves to die, what the future would bring, all of them were glad to be either released or saved. Saved from the torture of the past hours, during which the boat withstood a superior force. Again like a bull - tortured, unfit for battle - the boat rose for a last time, up to the light, motionless, waiting for the coup de grâce.

A high excess pressure dominated the boat as the captain opened the conning tower hatch. Like a heavy sigh the bad air produced by the machinery gushed out from the boat, and cool, fresh air from the sea streamed in. From time to time, when the opening in the tower was free, a ray of light penetrated into the tower. Ghostlike and unreal the chaos in the central control was illuminated. The captain was the first to see the blue sky, the sun, the light. His eyes almost failed to function, too much was expected of them, after the long darkness. He also saw the superior strength, positioned and waiting in a circle and ready to give us a hot welcome. They greeted us with a hail of bullets from board- and handguns. A salute like protocol, like it is trained and takes place for the highest ranking guests of the government. These hosts, however, fired live bullets. And they shot with enthusiasm and an unbelievable diligence, as if every one of them was eager to hang his personally collected scalp on his belt. If only the diving cells, the air pillows, which kept the half-with-water-filled boat on the surface, would stay airtight. A couple of bullet holes would have been enough, and for the men who were not yet in the tower, or at least in the central control, there would have been no hope for rescue.

This situation made it easy for the "Alten" to give his last order. An order which broke all connections with the past, the only order which could save the bare life of a seaman: "Everyone over board - every man for himself!"

With him a whole group, simply those men, who were not too far from the tower, was able to get out. A few, like me, were running through the boat until the last. Thus, it took us longer to get out. There were no more life preservers at my fighting station in the central control, where I had to compute the angle, under which a torpedo was shot (Vorhalterechner). [My other assignment was to watch on the tower.] The life Preserver and the "Tauchretter" were probably lost during the inferno. "Anyway, lets just get out!" At that very moment the tower hatch slammed. It was pitch dark again in the tube. "§$%&§$%&!" Quickly I climbed up to the hatch. I knew the way by heart. This was my territory. Many times I had ascended those two ladders or -during an alarm- slid down them. After me two others followed. The helmsman was one of them. I propped myself against the iron hatch. I almost had the feeling, I was the captain, normally this was his duty. But I could open it only a small crack. A heavy object must have been laying on it. Together, with all our might we were able to push the object to the side. It was the body of one of the diesel engine mates, who was hit waist high by a projectile from a cannon which ricocheted from the shaft of the telescope. Good for him, he was dead, because we would have removed him by any means, no matter how loud he would have moaned from pain.

Now, down into the saving water! To  be free! A happy feeling, an indescribable happiness and that, although our misfortune was at its peak.

Sunshine, a long swell and a blue sky completed the happiness. Rare luck for the shipwrecked and a seldom harmony to find in the North Atlantic. But - what was that? I became aware of my direct surroundings. Everywhere I saw fountains of water. As if super heavy raindrops would have hit the surface. In between was yellow smoke. Good night! This kind we knew. Those were the hits of the salute which was fired from all guns at us from our captors and future hosts in their ecstasy of joy. A very grotesque situation. Again a few men swimming alone in Atlantic, who were separated from the rest of the swimming group, were forced to play U-Boot again. Every time, when the swell carried us up to the crest, our heads were quite good targets. Sure enough, any hunter likes to score a bulls eye rather than just wounding his prey. Therefore, as taught, after a short look around, take a deep breath and submerge the bollard (head) under the water. Although I didn’t succeed so well every time, hiding my head under water felt good. On the other hand, like an ostrich hiding his head in the sand, a hit from a grenade of one of the ship armaments in the rear end, too, would have been sufficient. On the other hand, this strange battue against us was kind of calming. At first that sounds strange,  but as long as they kept an eye on us they would probably rescue us in the end. I don’t how often I was carried up the swell and dived away. Fact is, while looking around in between I got quite a good overall view of the scenery. There was quite a hustle and bustle on this small speck of the North Atlantic. The main body of the crew and the "old man" were far away from us. Around us were the enemy ships, like a hunting party, waiting to split up the spoils between them. >From our submarine only the bow looked out of the water. Behind us were no swimming comrades any more. But there were some still on board as we left. I surely saw the LI [leading engineer] as a ray of light fell into the central control. Well, he was one of those who could not break his vow.

"Look, the Canadians have launched a rubber raft. Will they board the U-Boot? No, they are returning on board the corvette. What is the maneuver good for?" They left the raft behind. Sure, they probably reconsidered boarding the sinking U-Boot. The bow of the U-Boot rose steeper and steeper. The raft was floating pretty close to us. Good luck for us. As we almost reached the raft the corvette crossed between us swimmers and the raft. The wave of the bow threw us up and down like buoys. An uneasy target to score a bulls eye. On the reiling seamen were standing and I watched from very close [10 to 15 m] how an older boatswain grabbed a rifle from the hand of a young "lord" with "Stop that nonsense!" The men’s enthusiasm for hunting us was understandable, they were hunted themselves without mercy in this horrible war [The crew just sank a ship a couple of days ago]. The "Schmatting"(1), the older seaman, though, he was one of the older generation, and he put a stop to the senseless shooting. Maybe he himself had already been in the same situation? This seemed to me to be the only reason that he was able to hinder the triumphant crew and was able to save us. A good deed credited to his soul, should he one day find himself in the same situation.

We reached the raft. The firing ceased. From the boat, only the bow was raised perpendicularly out of the water. Strange! She was still showing her teeth. She still looked dangerous. But it was only the net-saw, which zig- zaged as a silhouette. "How many comrades are still in the boat? Perhaps they are still breathing in an air bubble, which might have built up in the perpendicularly raised bow?" The remaining air bubbles in the diving cells, especially in the diving cell # 5, still kept the boat a bit above water.

No time for brooding or sentimental thoughts. As fast as we could, we rowed the raft to the main body of our crew. We pulled the worn out and wounded men into the raft. The others were able to get a hold of a rope which ran around the outside of the raft. The raft was not only our life-raft, it was also inventory of our future hosts, until a couple of hours ago, our so called fierce enemies. Was that another reason that they took all of us survivors on board?



If I read everything correctly, U-556 sank
within the red circle.

Picture source: Dr. Egbert Kainzbauer.


Strong men gripped us tightly by the wrists and we were lifted on board. Their faces no longer  showed unfathomable hate or triumphant smiles, which had been typical for them at the climax of their victory, when they could have extinguish our lives with a single shot. Now some of them looked worried, almost concerned at the sight of the exhausted creatures we were. Shaking from the cold and under shock we stood on the deck of the corvette with our chattering  teeth and wobbling knees. One thought flashed through my brain! "Where is our U-Boot? What will happens to our comrades, who are missing?" Just in time I was able to press myself through the nude men. We had to completely undress before we were locked up in a Picklast(2). Not without reason: first our conquerors wanted to go through all of our pockets for possible documents, second, if you are nude and close together in small compartment, you will get much warmer nude, than if you have to dry your dripping wet gear on your body. Truly I got a last minute sight of our sinking boat. Without noise, without any sensation, with just a few fountains of water, caused by escaping air, the bow just sank like one of those diving whales which we had seen so often. Our boat sank almost as peacefully. She went back in her biosphere, for which she was built, only to dive endlessly deeper and never to return. With her went those comrades, who were not able to imagine life in captivity. They were reared in a spirit, which knew no compromises. Remember them with honor.

On board we were treated well. After a few hours our dry gear was returned to us.. A "Moses"(3) gave each of us a Players Navy Cut for smoking. Almost reason to become boisterous. After three days on the ocean we disembarked at Reykjavik, Iceland, [from there my path led through different prison camps until I finally ended up as a POW in Canada. But this is a different story.]

(1) = Schmatting, senior of the non commissioned officers.
(2) = Picklast, spelling could be wrong, in this case an empty room. Normally sort of storage room for rags, brooms, paint, brushes, paint solution ...
(3) = Moses, (Schiffsjunge), ship’s boy, the youngest on board

 

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Seite Erstellt: 18.04.2000
Seite Editiert: 05.09.2004