Die Ausbildung der Besatzungen der Deutschen WK-II U-Boote

Auszug aus dem Buch "Geschichte des U-Bootkrieges 1939/1945" von Leonce Peillard.
© 1970 by Leonce Peillard

Die zukünftigen Marineoffiziere wurden zur 7. SStA auf der Insel Dänholm bei Stralsund eingezogen. Wecken: 6 Uhr,im Winter bei Temperaturen bis 40 Grad unter Null, dann Übungen und Kurse. "Eigentlich dienten diese Kurse dazu", schrieb Kapitän Heinz Schaeffer, "unseren Charakter zu enthüllen, uns dahinzubringen, uns erkennen zu geben und die ausfindig zu machen, die sich gegen Strafen sträubten, um sie als ungeeignet auszuscheiden. Die Ausbildung beruhte auf dem Grundsatz, daß nur jemand, der zu gehorchen weiß, auch zu befehlen versteht." Kapitän Schaeffer schildert auch ein gewisses "Todestal" und die beiden Anhöhen, die mit angelegter Gasmaske, Tornister und Gewehr im Laufschritt zu überqueren waren, und sagt: "Manche dachten an Selbstmord."


Deutsche U-Bootabzeichen des zweiten Weltkrieges: U-Boot-Abzeichen und U-Boot-Frontspange Das U-Bootabzeichen (Bild oben)
Das U-Bootabzeichen war einer ähnlichen Auszeichnung des ersten Weltkrieges nachempfunden. Die Preussische Krone wurde durch den Reichsadler und das WK-I U-Boot durch eine modernere Version ersetzt. Das Abzeichen wurde am 13.10.1939 wieder eingeführt. Kriterien für die Verleihung war ein besonders erfolgreicher Einsatz, die Teilnahme an mehr als drei Feindfahrten, eine Auszeichnung für besonderen Mut während eines Einsatzes oder eine Verwundung. Verliehen wurde es auch an auf See gefallene U-Boot Männer. In diesem Fall wurde es den nächsten Angehörigen übergeben.

Die U-Boot-Frontspange (Bild unten)
Für diese ab Mai 1944 eingführte Auszeichnung gab es keine besonderen Kriterien. Sie sollte eine weitere Anerkennung der Leistungen der U-Boot-Männer sein. Ab November 1944 gab es zusätzlich zur Bronze-Spange auch eine Silberspange.

Bildquelle: U-Boot-Abzeichen und U-Boot-Frontspange aus eigenem Besitz



Die Anwärter wurden dann nach Kiel beordert und auf drei ehemalige Segelschiffe, die "Gorch Fock", die "Albert Schlageter" und die "Horst Wessel", aufgeteilt. Da hieß es morgens bei größter Kälte die Hängematten unter der Brückenverkleidung verstauen, nachdem man die Nacht in der heißen Atmosphäre der Batterien verbracht hatte... Wehe dem, der sich bei den Übungen in der Takelage als nicht schwindelfrei erwies; "Schwimmschule" und immer wieder "Schwimmschule".


Ausbildung am der Hauptschalttafel der E-Maschine Bilder: Die U-Boot-Ausbildung war vielseitig und gründlich. Die Praxis sollte nichts mehr bringen können, was nicht in der Ausbildung durchgeübt war. Ob an der Hauptschalttafel der E-Maschine...
...oder am Tiefenruderstand. Vor dem ersten Auslaufen auf einem "echten" U-Boot wurde immer und immer wieder an Simulatoren trainiert.

Bildquelle beider Bilder: Buch "60 Jahre deutsche U-Boote 1906-1966" von Bodo Herzog. J.F. Lehmanns Verlag München
Ausbildung am Tiefenruder-Simulator


Dann wurde der Matrose Seekadett, seine Uniform erhielt am Ärmel einen Stern und eine goldene Borte. Die Besatzungen der U-Boote bestanden ausschließlich aus Freiwilligen. Nicht jeder, der es wollte, wurde U-Boot-Mann, zumindest nicht zu Anfang des Krieges. Es gab zahlreiche medizinische Untersuchungen und Eignungsteste. Die Ausbildung war überaus hart, und viele hielten nicht durch. Die praktische Ausbildung fand in der südlichen Ostsee statt, die lange von Kampfhandlungen verschont blieb.

Das den Besatzungen im voraus bekanntgegebene Programm dauerte sechs Monate. Jedes U-Boot musste vor dem Scharfschießen 66 Scheinangriffe fahren. Die Übungen fanden bei Tag und bei Nacht statt: Tauchen auf Sehrohrtiefe, Schnelltauchen, Tieftauchen, Angriff mit Bordkanone, Tauchmanöver bei völliger Dunkelheit. Der Ablauf jedes Manövers wurde genau festgelegt. Man mußte ebenso schnell wie genau sein. Besonders streng war der Wadchdienst. Jeder Ausguckposten hatte vier Stunden lang einen Sektor von 90 Grad zu überwachen... Ein französischer Marineoffizier erzählte uns, er habe ein deutsches U-Boot gesehen, das sich unter dramatischen umständen seinem Schiff genähert habe. "Keiner der Ausguckposten wandte auch nur eine Sekunde lang den Kopf, um zu uns herüberzublicken. Eine so konzentrierte Aufmerksamkeit, eine so eiserne Disziplin war bei der französischen Marine undenkbar."

Dönitz forcierte die Ausbildung und die Ausbildungsziele in einer Weise, daß bei den Übungen in der Ostsee ein paarmal Boote ernsthaft in Gefahr waren. An Bord der U-Boote gab es keine Politik und auch kaum einmal ein Hitlerbild... An seiner Stelle sah man dafur, was wohl angenehmer war, die Fotos hübscher Mädchen.


Bild: Einige wenige der vielen tausend U-Boot-Fahrer, die nicht wiederkehrten.
Postempfang und Apfelsinenverpflegung für die Besatzung von U-405. Ein halbes Jahr später starben diese Männer unter dem Rammangriff und folgendem Wasserbombenbewurf eines Amerikanischen Zerstörers im Nordatlantik...!
Der Zerstörer ging infolge der Rammbeschädigungen einige Stunden später ebenfalls unter.

Bildquelle: Buch, "U-995 - Das U-Boot vor dem Marine-Ehrenmal in Laboe"
von Eckard Wetzel, Karl Müller-Verlag, 1996.
Besatzung von U-405 beim Apfelsinen- u. Postempfang auf dem Deck ihres U-Bootes


Zivilisten war das Betreten von U-Booten nicht erlaubt, und wenn es in Ausnahmefällen denn doch dazu kam, so empfingen sie die Kommandanten mit aller Reserviertheit. Parteigenossen waren, soweit es sie in der U-Boot-Waffe gab, an Bord nur Besatzungsmitglieder und sonst nichts. Als die gut geschulten Besatzungen der ersten Kriegsjahre, mit Kommandanten wie Kretschmer, Prien Schepke, Endraß, um nur einige zu nennen, ausgefallen waren, mußten sie mit einem Nachwuchs aufgefüllt werden, der bereits durch die Schule der Hitlerjugend, die Napola, gegangen war. Dieser Nachwuchs besaß weder die Ausbildung noch die Grundhaltung der ersten Besatzungen, und er mußte auch den Mangel an Erfahrung teuer bezahlen.

Von den 30000 deutschen U-Boot-Fahrern, die im Kampfeinsatz gestanden hatten, blieben nur etwa 5000 am Leben.