Gehoben! Das Boot aus dem Bürgerkrieg 1864

Bericht über die "CSS Hunley", die im Jahr 2000 erfolgreich gehoben werden konnte.
Aus BILD Hamburg vom 10. August 2000


Ein Kanonenschuss. Männer in Uniformen der Südstaaten-Marine salutierten, ihre Kriegsflagge knatterte im Wind: Willkommens-Gruss für neun tote Helden. Noch lagen sie in ihren eisernen Sarg - der "Hunley", dem ersten Kampf-U-Boot der Militärgeschichte. 136 Jahre nach ihrem legendären Einsatz hob sie ein mächtiger Schiffskran vom Grund des Atlantik. Wird das Rätsel der Hunley jetzt gelöst?

Eine eiskalte Februarnacht des Jahres 1864, Bürgerkrieg in Amerika. Im dunklen Wasser vor dem Hafen von Charleston (South Carolina) kurbeln acht Soldaten um ihr Leben. Sie hocken in einem Stahltank, der aus dem Kessel einer Dampflok zusammengenietet worden war. Mit Muskelkraft treiben sie die Schiffs-Schraube ihres seltsamen Gefährts an. Es ist die "Hunley".

Im Bug steht Kapitän George Dixon (25). Wie alle an Bord ist er Freiwilliger. Denn für 13 andere Männer wurde die "Hunley" schon zum Sarg, sie ertranken bei Probefahrten. Unter den Opfern: Horace L. Hunley, ein reicher Rechtsanwalt, Namenspatron und Financier des Bootes. Käpt'n Dixons Befehl: Versenkt die "USS Housatonic"! So soll die Blockade des Hafens durch Nordstaaten-Schiffe gebrochen werden.


 Die CSS Hunley auf einem zeitgenössisches Gemälde

Bildquelle: Zeitung BILD Hamburg vom 10.8.2000, Seite 9


Am Bug des U-Boots ist eine Lanze befestigt. An deren Ende ein Pulverfass mit einem Zündmechanismus. Der erste Torpedo! Ein Himmelfahrtskommando. Nur knapp 1,30 Meter unter der Wasseroberfläche pirscht sich das U-Boot an seine Beute. Denn die Luftrohre zur Sauerstoff-Versorgung der Besatzung sind nur so lang. Das Unglaubliche gelingt: Die Männer der "Hunley" rammen die Sprengladung in den Rumpf der"Housatonic" Deren völlig verdutzte Besatzung ist wie gelähmt. Wie besessen kurbeln die Männer im U-Boot rückwärts. Weg vom Schiff, weg von der Bombe. Dann reißt ein Mann an der Zündleine. Eine Pistole im Pulverfass feuert. Explosion!


Schnittzeichnung der CSS Hunley

Bildquelle: Zeitung BILD Hamburg vom 10.8.2000, Seite 9


Der Rumpf reißt auf, die "Housatonic" sinkt schnell. Fünf der 155 Nordstaatler an Bord ertrinken. Doch die "Hunley" kehrte nie zurück. Das 16 Tonnen schwere U-Boot versank. 136 Jahre lang rätselten Forscher, warum. War die Druckwelle zu stark? War das Boot undicht? 15 Jahre lang war Clive Cussler, Millionär und Profi-Schatzsucher, der Hunley auf der Spur, fünf Jahre dauerte es, bis die Vorbereitungen zur Bergung abgeschlossen waren.
Wissenschaftler fiebern der Öffnung des Totenschiffs entgegen. Ihre Hoffnung: Auf dem Meeresboden wurden Uniformen, Fotos, Waffen der Soldaten konserviert, eine Art Zeitkapsel.

Die Soldaten der Hunley werden auf dem "Old-Magnolia"-Soldatenfriedhof von Charleston ihre letzte Ruhe finden. Und eine Band wird spielen: "Glory, glory Halleluja..."

Seite Erstellt: 10.08.2000
Seite Editiert: 04.09.2004