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Oberkommando der Kriegsmarine
Skl/Chef MND 1540/41 g.Kdos.
Berlin, den 23.6.1941.

Geheime Kommandosache!

An Gruppe West
Gruppe Nord
Flotte
B.d. Sch
Schlachtschiff "Tirpitz"
Schlachtschiff "Gneisenau"
Schlachtschiff "Scharnhorst"
B.d.K.
Kreuzer "Lützow"
Kreuzer "Scheer"
Kreuzer "Hipper"
Kreuzer "Prinz Eugen"
F.d.Z.
B.d.U.
Schiff 10
Schiff 23
Schiff 28
F.d.T.
N.V.K.

Im Hause:
1/Skl
Skl/Qu A
N Wa I
Reserve

Prf.Nr. 1
Prf.Nr. 2
Prf.Nr. 3
Prf.Nr. 4
Prf.Nr. 5
Prf.Nr. 6
Prf.Nr. 7
Prf.Nr. 8
Prf.Nr. 9
Prf.Nr. 10
Prf.Nr. 11
Prf.Nr. 12
Prf.Nr. 13
Prf.Nr. 14
Prf.Nr. 15
Prf.Nr. 16
Prf.Nr. 17
Prf.Nr. 18
Prf.Nr. 19

.
Prf.Nr. 20
Prf.Nr. 21
Prf.Nr. 22
Prf.Nr. 23-26

Betrifft: Feindliche Ortung
Vorgang: Funkspruch des Flottenchefs 0401-0443 v.25.5.41

Der Flottenchef [Admiral Lütjens] meldet in diesem Funkspruch: "Vorhandensein Dete-Gerät beim Gegner, Reichweite mindestens 350 hm beeinträchtigt Operationen im Atlantik in stärkstem Masse. Schiffe wurden in Dänemarkstrasse in dichtem Nebel geortet und nicht mehr losgelassen. Loslösung misslang trotz günstigster Wetterbedingungen." Der Kommandant des Kreuzers "Prinz Eugen" [Kapitän z. S. Brinkmann] bestätigt, dass die britischen Fühlunghaltersignale (Bord B.Dienstergebnisse) auf einer Entfernung von 18 sm = 330 hm gegeben wurden und stets recht genau waren. Es wirkten zwei Fühlunghalter zusamen, von denen einer stets im Kielwasser der deutschen Schiffe zu folgen bemüht war.

Die britischen Möglichkeiten der Ortung werden nachstehend untersucht und die Folgerungen gezogen.

Vorauszustellen sind zwei Tatsachen:

    1.) Der Flottenchef wusste nicht, dass die britische Marine seinen Durchbruch erwartete, die Sicherung entsprechend verstärkt und die Schlachtschiffe "Hood" und "Prince of Wales" für den Kampf bereit gestellt hatte.

    2.) Das Schlachtschiff "Bismarck" hatte nach dem Gefecht eine starke Ölspur, wie übereinstimmend vom Kommandanten des Kreuzers "Prinz Eugen" und vom Bericht der britischen Admiralität festgestellt wird. Das Fühlunghalten ist den britischen Kreuzern und Flugzeugen dadurch zweifellos wesentlich erleichtert worden.

A. Können die britischen Kreuzer mit den Unterwasserortungsgeräten genaue Fühlung gehalten haben?

Die in Frage kommenden britischen Schiffe sind bestimmt mit Asdic-Anlagen, vermutlich auch mit Gruppenhorchanlagen ausgerüstet. Der Kommandant des Kreuzers "Prinz Eugen" berichtet von ausgezeichneten Ortungen durch die Unterwassergeräte seines Kreuzers. So wurde am 24.5. 0407 die erste Meldung über den Gegner nicht mit Em II sondern mit G.H.G. [Gruppenhorchgerät] des das Treffen führenden Kreuzers "Prinz Eugen" bei 27 sm Fahrt auf 320 hm gegen "Hood" gemacht. Während des Gefechts wich "Prinz Eugen" 3 Torpedos der "Hood" auf Meldung des G.H.G. erfolgreich aus. Das G.H.G. hat auch bei 28 sm Fahrt noch Entfernungen von 300 hm überbrückt.

Diese, alle bisherigen Erfahrungen übertreffenden Ergebnisse gelten jedoch nach der Angabe des Kommandanten nur für das kalte, horchtechnisch günstige Seegebiet des Nordmeeres, im warmen Wasser des Azorengebiets sank die Reichweite bis auf 10% dieser Nordmeerergebnisse, um bei Wiederantreffen kühleren Wassers auf Normalwerte anzusteigen.

Es muss unterstellt werden, dass die Horchgeräte der britischen Schiffe im Nordmeer gleich gute Ergebnisse erzielt haben. Die deutschen schweren Schiffe sind geräuschstarke Ziele, sie sind selbst in der Ostsee von den U-Boots-G.H.G.-Anlagen auf 160 hm geortet worden.

Die Möglichkeit des genauen Fühlunghaltens auf 18 sm = 330 hm besteht nach den Ergebnissen des Kreuzers "Prinz Eugen" durchaus, da das britische Asdic-Gerät fast die gleiche Peilschärfe und fast die gleiche Messgenauigkeit wie unsere Unterwasserortungsgeräte besitzt. Der Bericht der britischen Admiralität gibt die erste Sichtungsentfernung im abendlichen Schneesturm des 23. Mai mit 6 sm an, der Kommandant des "Prinz Eugen" bestätigte diese Angabe. 111 hm ist nach den vorher geschilderten Ergebnissen eine durchaus wahrscheinliche Unterwasserortung mit Asdic- oder S-Gerät, da sie innerhalb des Messbereiches der deutschen S-Geräte - 150 hm - liegt. "Norlfok" und "Suffolk" folgten den deutschen Schiffen die ganze Nacht hindurch. Für die Horchverfolgung ist das Folgen im Kielwasser die richtige Aufstellung. Nach dem Gefecht folgten die Kreuzer "Norfolk" und "Suffolk" und das Schlachtschiff "Prince of Wales" den deutschen Schiffen hartnäckig bis kurz vor 0300 des 25. Mai, dann verloren sie die Fühlung etwa 350 sm südöstlich Südspitze Grönland, zweifellos also bereits in einem für die Unterwasserortungsgeräte horchtechnisch weniger günstigem Seegebiet. Die Trennung des "Prinz Eugen" von der "Bismarck" am Nachmittag des 24. Mai ist von ihnen nicht bemerkt worden. Diese Tatsache spricht gegen die Verwendung von Dete-Geräten. Beim Fühlunghalten mit Unterwasserortungsgeräten wäre es eher erklärlich, weil das stärke Geräuschziel der "Bismarck" das schwächere des sich entfernenden "Prinz Eugen" für den Fühlunghalter im Kielwasser der "Bismarck" zudeckt.

Die Fühlung an der "Bismarck" ist nach dem britischen Bericht erst am 26. Mai 1030 durch ein Flugzeug des Küstendienstes etwa 550 sm westlich von Landsend wiederhergestellt worden, erst um 1730 fühlt sich die beauftragte und eingewiesene "Sheffield" heran.

B. Können die britischen Streitkräfte mit Dete-Geräten genaue Fühlung gehalten haben?

Das Vorhandensein wirksamer Em II-Geräte auf allen im Atlantikkrieg eingesetzten deutschen Kampfschiffen hat nach dem Urteil aller Befehlshaber und Kommandanten bisher das Durchstossen durch die Dänemarkstrasse, das Ausweichen vor britischen Bewachungesschiffen, das Finden der Geleitzüge und eigenen Versorgungsschiffe ohne Gefahren selbst für alleinfahrende Panzerschiffe ohne überlegene Geschwindigkeit ermöglicht. Es musste erwartet werden, dass dieser grosse operative Vorteil den deutschen Kampfschiffen nicht auf die Dauer erhalten bleiben würde, denn die Ortung nach dem Rückstrahlprinzip ultrakurzer Wellen hat die Erfinder auch in ausserdeutschen Ländern seit Jahren beschäftigt. Noch nach der letzten Unternehmung der Schlachtschiffe "Gneisenau" und "Scharnhorst" hatte der Flottenchef gemeldet, dass trotz zweimaligen Zusammentreffens mit durch die Em II-Geräte georteten schweren britischen Schiffen ihr Verhalten auf das Fehlen britischer gleichartiger Geräte schliessen lasse. Die britischen Lichtbilder des gesprengten Kreuzer "Graf Spee" zeigen deutlich das Vormars-Em II-Gerät, das im Februarheft der Marinerundschau veröffentlichte Bild des Schlachtschiffes "Bismarck" ermöglichte der britischen Admiralität erneut einen Vergleich mit den zweifellos vorhandenen Luftbildern der an der Kananlküste eingesetzten Em II-Geräte. Da diese Geräte in den letzten zwei Monaten anfangs erfolgreich durch britische Störsender lahmgelegt wurden, ist die verwendete Wellenlänge der Em II-Geräte der britischen Marine genau bekannt. Die Beobachtungsstellen der deutschen Luftwaffe und Kriegsmarine an der Kanalküste haben jetzt ein genaues Bild der von der britischen Wehrmacht verwendeten Dete-Geräte ergeben. Bisher wurden zur Ortung von deutschen oder britischen Luftzielen drei Systeme verwendet, die Systeme 25 und 50 für Fernortung bis 250 km im Wellenbereich 13.6 m - 10.7 m bzw. 8.1 m - 6.25 m - sie benutzen Antennentürme von 80 - 100 m Höhe -, das System 1000 für Reichweiten, die etwa der halben Reichweite der deutschen Em III-Geräte für Luftziele entsprechen, das System 1000 ist fahrbar, es wurde durch die Kriegsmarine bei Boulogne erbeutet.

In letzter Zeit (Bericht des Mar.Bef.Kanalküste vom 22.5.41) sind 15 britische Ortungsgeräte an der Kanalküste geortet worden, die mit einer Wellenlänge von 1.46 m - 1.54 m arbeiten. Die Lichtbilder der Fernkamera zeigen einen den deutschen fahrbar gemachten Em II-Geräten ähnlichen Aufbau mit drehbarem Sender. Nach bisherigen eigenen Feststellungen und Beobachtungen des Ansatzes beim Gegner im Kanal ist diese Welle auch für eine Verwendung gegen Seeziele gut geeignet. Die Lichtbilder der amerikanischen Zeitschrift "Life" vom Schlachtschiff "King George" lassen auf dem Leitstand der schweren Artillerie ein Gerät erkennen, das als Dete-Gerät, vermutlich für die gleiche Welle 1.50 m, gedeutet werden kann. Es kann angenommen werden, dass mindestens das Schwesterschiff "Prince of Wales" die gleiche, auf "King George" provisorisch und nachträglich eingebaut wirkende Einrichtung besitzt. Reichweiten von 350 hm, wie vom Flottenchef angegeben, bzw. 330 hm = 18 sm, wie vom Kommandanten des Kreuzers "Prinz Eugen" angegeben, sind durchaus möglich, da die Erprobungen auf "Lützow" eine Reichweite des Em II-Geräts gegen Zielschiff "Hessen" - also ein wesentlich kleineres Ziel als "Bismarck" - von 310 hm ergeben haben. Der Kommandant des Kreuzers "Prinz Eugen" hat gemeldet, dass keine britischen Deteimpulse aufgenommen worden sind; das bestätigt jedoch - da keine anderen Beobachtungsgeräte an Bord waren - nur, dass etwa vorhandene britische Dete-Geräte nicht in der Nähe der deutschen Em II-Welle arbeiten.

Gegen das Vorhandensein britischen Dete-Geräte zum mindesten auf den Fühlunghalterkreuzern spricht das späte Sichten der deutschen Schiffe erst auf 6 sm = 111 hm am 23.5. abends, das Nichterkennen der Trennung des "Prinz Eugen" von der "Bismarck" am 24.5. nachmittags, das Verlieren der Fühlung an der in ihrer Geschwindigkeit herabgesetzten "Bismarck" vom 25.5. 0300 bis 26.5. 1730 (Kreuzer "Sheffield").

Es ist an dieser Stelle einzuschalten, dass zu disem Zeitpunkt des Abreissens der britischen Fühlung, das sich auch im Funkbild durch Ausbleiben der bisherigen Fühlunghaltersignale und offenen Standortmeldungen, später auch der taktischen Signale kennzeichnete, das Schlachtschiff "Bismarck" mehrere längere Funksprüche absetzte, z.B. die im Vorgang erwähnten 0401 - 0443, und um 0700 die eindeutige Meldung abgab: Q AK 55, 1 Schlachtschiff, 2 schwere Kreuzer halten Fühlung. Es muss also angenommen werden, dass das Schlachtschiff "Bismarck" durch vorsichtige Em II-Messungen auch nach 0300 und sogar noch um 0700 trotz fehlender optischer Sicht den Gegner einwandfrei als 3 Ziele geortet hat. Erst am 25.5. vormittags hat dann auch "Bismarck" die Fühlung endgültig verloren, die Ortung eingestellt oder kein Ortungsergebnis mehr gemeldet. Diese Tatsache, dass Schlachtschiff "Bismarck" noch Dete-Ortung hatte, als die britische Fühlung verloren gegangen war, weist mindestens auf die Störanfälligkeit auf den britischen Schiffen vorhandener Geräte hin. Sie ziegt ferner, dass vorsichtiger Gebrauch der eigenen Em II-Geräte dem Gegner verborgen bleibt. (S.die Ausführungen unter C.)

Durch eine Agentennachright war vor mehreren Wochen bekannt geworden, dass die britischen Seefernaufklärungsflugzeuge einen Apparat besitzen sollten, der es ihnen ermöglicht, Schiffsziele bis zu 100 sm Entfernung anzufliegen. Durch das Oberkommando der Kriegsmarine erbetene Versuche der deutschen Luftwaffe mit einem im Flugzeug behelfsmässig eingebauten Dete-Gerät haben Reichweiten von 60 km in mittlerer Höhe ergeben. Ein britischer kürzlich notgelandeter Fernaufklärer hatte das fast unversehrte Gerät an Bord, es ähnelt dem deutschen Em III-Gerät, die verwendete Welle liegt etwa bei 1.60 m, die Grenze der Reichweitenskala ist tatsächlich 100 sm.

Eine Berechnung nach der Formel der optischen Sicht ergibt, dass bei Vorhandensein eines genügend leistungsstarken Senders ein Flugzeug in 2200 m Höhe gegen ein Schlachtschiffziel Dete-Reichweiten von 100 sm = 185 km erzielen kann.

Nach dem Bericht des Kommandanten des Kreuzers "Prinz Eugen" ist auf den deutschen Schiffen vor und nach dem Gefecht des 24. Mai mehrfach Fliegeralarm gegeben worden, es ist möglich, dass diese Flugzeuge sich mit Dete-Gerät herangefühlt haben, es wird als sehr wahrscheinlich angenommen, dass es dem Flugzeug des Küstendienstes nur mit der Dete-Anlage gelungen ist, am 26. Mai 1030, also nach 31 Std. verlorener Fühlung die "Bismarck" wieder zu finden. Der britische Bericht erwähnt ferner, dass die Angriffe der Torpedoflugzeuge von Flugzeugträger "Ark Royal" auf grosse Entfernungen angesetzt worden sind; es kann vermutet werden, dass das Heranführen ebenfalls durch ein Dete-Flugzeug erleichtert worden ist.

Eine Verwendung der an der Kanalküste gestgestellten neuen 1.50 m Dete-Geräte auf Island, gegebenfalls auch auf Grönland, gegen Seeziele in der Dänemarkstrasse ist möglich; entsprechend Cap Blane Nez an der Kanalküste würde schon bei Aufstellung auf einem 100 m hohen Berg die rechnerische Reichweite 50 km = 30 sm gegen Schlachtschiffziele betragen. Ein Passieren in diesem Abstand von Island würde also der feindlichen Ortung ausgesetzt sein, eine Detesperrung der ganzen Dänemarkstrasse wäre aber auch bei günstigster Aufstellung nich erreichbar.

C. Können die britischen Kreuzer nur durch Beobachtung und Einpeilung der deutschen Em II-Gerät-Impulse und der deutschen U.K.Telefonie genaue Fühlung gehalten haben?

Diese Ausrüstung wäre nach jetzigen deutschen Erfahrungen mit geringem technischen Aufwand möglich. Ebenso wie die deutschen Beobachtungsstellen an der Kanalküste die Standorte und Wellenlängen der britischen Dete-Geräte, die britischen Beobachtungsstellen die der deutschen Dete-Geräte festgestellt haben, ist dies such an Bord mit entsprechenden Geräten durchführbar. Die Reichweite der britischen Beobachtung muss dabei immer besser sein - bis zur 1.5 fachen optischen Sicht - als die Reichweite der deutschen E-Messung, weil es eine Einwegpeilung ist. Eine Entfernungsmessung ist nicht möglich, eine Schiffsortfestlegung daher nur durch Kreuzpeilung zweiter Fühlunghalter zu erreichen. Der Kommandant der Kreuzers "Prinz Eugen" hat berichtet, dass nach dem Funkverkehr immer zwei Schiffe zusammengearbeitet haben, einer im Kielwasser, einer seitlich herausgesetzt. Der Kommandant der Kreuzers "Prinz Eugen" hat gemeldet, dass der Flottenchef den Gebrauch der Em II-Messung im Sinne der vom Oberkommando gegebenen Empfehlungen in der Form eingeschränkt hatte, dass in Landnähe vorsichtiger Gebrauch gemacht und im allgemeinen ein angemessenes Ziel nicht länger geortet werden sollte, als zur Feststellung von Peilung und Entfernung notwending wäre. Jedes Schiff arbeitete auf dem Marsch mit seinem Dete-Gerät in einem zugewiesenen Ortungssektor.

Für den U.K.-Gebrauch waren ebenfalls Benutzungsbeschränkungen befohlen; U.K. [Ultrakurzwelle] ist aber, wenn auch nur mit kurzen Stichworten, auf dem Marsch häufiger benutzt worden. Es wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass der eingeschaltete und strahlende U.K.-Sender mit seiner Trägerwelle gehört und gepeilt werden kann, auch wenn er nicht besprochen wird - dieser Fall tritt allerdings nur bei fehlerhafter Bedienung des Geräts ein - und dass die Reichweite des U.K.-Senders auf jeden Fall wegen der längeren Welle grösser ist als die des Em II-Senders. Ein häufiger Wellenwechsel ist ein notwendiges aber nicht sicheres Gegenmittel, weil aufmerksame Beobachter mit entsprechendem technischen Aufwand diesem Wechsel schnell folgen können.

Nach der Trennung des Kreuzers "Prinz Eugen" vom Schlachtschiff "Bismarck" entfiel auf beiden Schiffen der Anlass zur Benutzung der U.K. Der Kommandant des Kreuzers "Prinz Eugen" hatte ausserdem nach der Trennung die Benutzung des Em II-Gerates seiner jedesmaligen Genehmigung unterstellt. Es ist durchaus möglich, dass beide Ursachen dazu beigetragen haben, dass der "Prinz Eugen" von den angesetzten britischen Kräften nicht wieder gefunden werden konnte. Gesetzt den Fall, dass der Flottenchef für die Em II-Messung auf "Bismarck" spätestens nach 0700 des 25.5. das Gleiche befehlen oder dass die Geräte - worauf er in seinem Funkspruch hinwies - Versager hatten, so wäre im Sinne der Frage zu C das 31-stündige Abreissen der britischen Fühlung bis zur Meldung des Flugzeuges am 26. Mai 1030 erklärt.

D. Aus diesen zur allgemeinen Unterrichtung sehr eingehend behandelten britischen Ortungsmöglichkeiten ergeben sich folgende Forderungen:

1.) Die überraschend grossen Reichweiten der Unterwasserortungsgeräte auch bei hoher Fahrt im Nordmeer müssen für die eigene Ortung der gegnerischen Sicherungsstreitkräfte ausgenutzt werden. Alle Schlachtschiffe und schweren Kreuzer besitzen Gruppenhorchanlagen und Bugwulst-S-Anlagen wie Kreuzer "Prinz Eugen"; alle Panzerschiffe gleichartige Gruppenhorchanlagen, aber keine Bugwulst-S-Anlagen, sondern nur ausfahrbare S-Anlagen in "Domen", die jedoch nach den Erfahrungen des "Prinz Eugen" auch noch bei der höchsten Dauerfahrt der Panzerschiffe im Nordmeer Gutes leisten werden bis zur Grenze des Messbereichs der Skala = 150 hm. Sorgfältigste Schulung und Übung der Horchmannschaften liegt nach diesen Erfahrungen im besonderen Interesse der Kommandos. Auf die Aufnahme gegnerischer Asdic-Impulse im G.H.G. [Gruppenhorchgerät] und ihre Einpeilung im eigenen S-Gerät wird hingewiesen. Gegen eine Einpeilung der eigenen Schraubengeräusche auf grosse Entfernung gibt es ausser über Bord zu werfenden sehr lautstarken Geräuschbojen kein Mittel, da ein starkes Herabsetzen der Geschwindigkeit zur Verminderung der Eingengeräusche nicht in Frage kommt. Gegen festgestellte Asdic-Peilung ist das beste Mittel: Abdrehen, schmale Silhouette zeigen, Fahrt vermehren, um aus Reichweite zu kommen.

2.) Zur ständigen Beobachtung etwaiger gegnerischer Dete-Geräte erhalten alle für den Atlantikkrieg vorgesehenen Schiffe besondere Empfänger für den Wellenbereich 50 cm - 200 cm. Es ist beabsichtigt, diese Empfänger in den Em II-Drehständen, die Dipolantennen um 180º versetzt zu den Em II-Dipolen an den Rückseiten der Stände einzubauen, um eine Einpeilung auf etwa 3º genau zu ermöglichen. Die Ausrüstung begann bei Kreuzer "Lützow", die Schiffe folgen nach der Zeittafel ihres Klarwerdens zum Fronteinsatz, es bedarf daher keiner Anträge. Die Auswahl der Bedienungsmannschaft ist besonders wichtig, grundsätzlich ist der 2. oder 3. Funkoffizier mit der Funkmannschaft zur Ausbildung zu entsenden, 4 Wachgänger der Laufbahn IV Fk. sind erforderlich, darunter mindestens ein Unteroffizier. Die Mannschaft wird bei der B-Stelle des N.V.K.[Nachrichtenmittelversuchskommando] für britische Dete-Geräte in Boulogne in etwa 2-3 Wochen-Lehrgängen praktisch ausgebildet werden. Aufforderung zur Entsendung gibt das Oberkommando an die einzelnen Kommandos; für Kreuzer "Lützow" war es bereits geregelt.

3.) Auf dem Marsch zum Durchbruch bei Island, beim Durchbruch selbst und bei durch das Funkbild des Bord-B-Dientes vermuteten Fühlungkreuzern muss die Funkstille des Übermittlungsdienstes nunmehr auch für die Em II-Geräte gelten. Ist durch das ständige Absuchen des Umkreises und des Wellenbereiches eine gegnerische Dete-Peilung festgestellt worden, so bedarf es der Entscheidung des Befehlshabers oder Kommandanten, ob durch kurze Em II-Ortung in dieser festgestellten Richtung die Entfernung zum Gegner festgestellt werden soll.

Auf die Möglichkeit, durch Kreuzpeilung der Beobachtungs geräte zweiter Schiffe Schiffsort und Entfernung des Gegners festzustellen, wird hingewiesen. Es kann damit gerechnet werden, dass bei rechtzeitig erkanntem gegnerischen Suchsenden der eigenen B-Empfänger früher die Peilung festleget, als der Gegner Peilung und Messentfernung erhält, 350 - 400 hm sind bei rechtzeitigem Erfassen zu erwarten. Zur Verringerung der gegnerischen Reichweite empfiehlt sich auch in diesem Fall Abdrehen, zeigen der schmalen Silhouette, Fahrt vermehren.

4.) Das Arbeiten mit Störsendern, wie es an der Kanalfront auf deutscher und britischer Seite geschieht, ist an Bord nicht zweckmässig, da ein Störsender vom Gegner mit seinem Dete-Gerät, auf dessen Welle er ja arbeiten muss, eingepeilt werden kann, der Störsender verhindert nur die Entfernungsmessung. Das Ansetzen eines Störsenders bringt daher nur im Gefecht Nutzen und keinen Schaden zur Unterbindung der E-Messung für den Waffeneinsatz. Beim Kampfeinsatz entfallen sinngemäss auch alle Einschränkungen für die Benutzung der Em II-Geräte.

5.) Die Erfahrung des Einsatzes an der Kanalküste hat gelehrt, dass es dem B-Dienst ohne Mühe gelingt, einen vorgenommenen Wechsel der Ortungswelle zu erkennen und den Störsender folgen zu lassen.

Auf Schiffen, die zwei Em II-Geräte an Bord haben, werden die Betriebswellen so umgestellt werden, dass sie dicht beieinander liegen, aber nicht übereinstimmen, da die Betriebserfahrungen an der Kanalfront gelehrt haben, dass neben einer gestörten Welle eine dicht benachbarte Welle noch unbemerkt und ungestört arbeiten kann, synchrones und phasengleiches Arbeiten vorausgesetzt.

6.) Die beste Abwehrmassnahme gegen ein Feindflugzeug, das mit Dete-Ortung anfliegt und als solches erkannt wird, ist die Störung seiner Meldefrequenz an die britische Gegenfunkstelle.

7.) Der Gebrauch der U.K. muss durch entsprechende Weisungen der Befehlshaber auf die dringendsten Fälle beschränkt werden. Die Trägerwelle des eingeschalteten, aber noch nicht besprochenen Senders wird durch einen Energieregelungsschalter in ihrer Reichweite herabgesetzt werden, da ein Herabsetzen der Mikrophonspannung allein nicht genügt zur Reichweitenminderung. Die Lautstärke darf nicht das Mindestmass der Verkehrssicherheit überschreiten, um die Reichweite herabzusetzen.

Bei sichtigem Wetter müssen an Stelle der U.K. grundsätzlich die normalen optischen Signalmittel, der Richtblinker oder die infraroten Geräte treten. Für allein fahrende Schiffe entfallen diese Gefahren.

8.) Nach erfolgtem unbemerkten Durchbruch wird im freien Atlantik der sparsame Gebrauch der Em II-Geräte bei ständiger Mitwirkung der B-Empfänger für gegnerische Dete-Ortung für unbedenklich gehalten. Er wird zur Erfüllung der Handelskriegsaufgaben nach wie vor unerlässlich sein. Nutzen und Gefahr werden Befehlshaber und Kommandanten auch bei diesem Waffeneinsatz abwägen müssen.

Die unter D 1) - 8) genannten Masnnahmen tragen allen Vermutungen über die Gründe des erfolgreichen Fühlunghaltens durch die britischen Schiffe und Flugzeuge Rechnung. Es kann aber abschliessend darauf hingewiesen werden, dass der Hauptgrund für die ständige Fühlung des Gegners vom 23. - 25. Mai in seinen Vorbereitungsmassnahmen für den erwarteten Durchbruch lag.

    Im Entwurf gez.: Fricke

    Für die Richtigkeit

    [Signed]

    Reg.Inspektor




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